
Mabon – Herbst-Tag-und-Nacht-Gleiche
Mabon, auch bekannt als Herbst-Tag-und-Nacht-Gleiche oder Erntedankfest, markiert einen besonderen Wendepunkt im Jahreskreis. Tag und Nacht sind nun gleich lang, doch ab diesem Moment gewinnt die Dunkelheit langsam wieder an Kraft.
Während sich die Frühlingstagundnachtgleiche auf die Fruchtbarkeit der Erde konzentriert, steht bei Mabon die geistige und innere Fruchtbarkeit im Mittelpunkt. In früheren Zeiten bedeutete der Herbst das Ende der arbeitsintensiven Monate auf den Feldern. Die Ernte war eingebracht, die Vorräte gefüllt, und es begann eine ruhigere Phase, in der Zeit für Gespräche, Rückblick und neue Ideen entstand.
Zeit der Ernte und des Dankes
Die Felder sind abgeerntet, das Korn ist eingebracht und die Speicher gefüllt. Nun werden die letzten Früchte gesammelt: Nüsse, Pilze und Herbstobst. Die Natur zeigt sich in leuchtenden Farben von Rot, Gold und Gelb – ein sichtbares Zeichen für Fülle und Reife.
Mabon ist eine Zeit des Dankens – für die Gaben der Erde, für das Gewachsene und für alles, was im Laufe des Jahres entstehen durfte. Gleichzeitig ist es auch eine Zeit des Abschieds: vom Sommerlicht, von der Fülle der warmen Monate und vom äusseren Wachstum. Bald beginnt die Phase des Rückzugs und der inneren Einkehr.
Dieses Fest verbindet Dankbarkeit, Freude und Gemeinschaft. Musik, Tanz und ein gemeinsames Mahl aus frischen Früchten, Getreide und Nüssen gehören traditionell dazu. Ebenso wichtig ist das Teilen – das Weitergeben dessen, was im Überfluss vorhanden ist.
Zeit der Einkehr und Bilanz
Mabon lädt dazu ein, innezuhalten und das vergangene Jahr zu betrachten:
- Wie ist meine persönliche Ernte in diesem Jahr ausgefallen?
- Welche Samen habe ich gesät – und welche Früchte durfte ich ernten?
- Was möchte ich bewahren, und wovon darf ich mich verabschieden?
- Wie finde ich ein Gleichgewicht zwischen Geben und Nehmen?
Diese Fragen helfen, bewusst in die dunklere Jahreszeit überzugehen und sich auf das Wesentliche zu konzentrieren.
Gleichgewicht und Harmonie
Zur Herbsttagundnachtgleiche tritt die Sonne in das Zeichen der Waage, das für Ausgleich, Harmonie und bewusstes Abwägen steht. Diese Zeit lädt dazu ein, das eigene Leben zu ordnen und zu prüfen, was wirklich wichtig ist. Das angestrebte Gleichgewicht bedeutet nicht nur, die schönen Seiten des Lebens zu sehen, sondern auch die Schatten anzunehmen. Tiefe entsteht dort, wo Licht und Dunkelheit gleichermassen ihren Platz haben.
Mythologische Hintergründe
Der Name Mabon stammt aus der keltischen Mythologie und bedeutet „grosser Sohn“. Mabon gilt als Sohn der Erdmutter und als Symbol des Lichts, das im Laufe des Jahres wächst und sich schliesslich wieder zurückzieht. Ähnliche Themen finden sich auch in anderen Kulturen, etwa in der griechischen Geschichte von Demeter und Persephone, in der der Wechsel zwischen Licht und Dunkelheit den Kreislauf von Werden, Vergehen und Wiederkehr symbolisiert. Diese Mythen erinnern daran, dass Abschied und Neubeginn untrennbar miteinander verbunden sind.
Symbole und Gestaltung des Festes
Kräuter: Astern, Salbei, Disteln, Ringelblume, Rosen, Getreide, Farne und Eichenblätter
Dekoration: Herbstblätter, Zapfen, Nüsse, Früchte und Symbole der Erdmutter
Räucherungen: Salbei, Beifuss, Myrrhe und Benzoe
Farben: Braun, Orange, Dunkelrot und Indigo
Typische Speisen: Kürbis, Wurzelgemüse, Brot, Fisch, Obst, Suppen und Rotwein
Die innere Bedeutung von Mabon
Mabon ist ein Fest des Gleichgewichts – zwischen Licht und Dunkelheit, Aktivität und Ruhe, Geben und Empfangen. Es erinnert daran, die eigenen Erfolge zu würdigen, Dankbarkeit zu spüren und sich bewusst auf die kommende Zeit der Einkehr vorzubereiten. Es ist die Zeit, sich zurückzuziehen, Wärme zu suchen, Gespräche zu führen und in die eigene Tiefe zu lauschen – wie an einem Abend am Feuer mit einer Tasse Tee, während draussen die Natur sich langsam zur Ruhe begibt.



