Imbolc- Das Fest des erwachenden Lichts

Imbolc ist ein nordisches und keltisches Mitwinterfest und eine Mondfest. Der Name leitet sich vom gälischen Wort „oimelc“ ab, was „Muttermilch“, genauer „Mutterschafmilch“, bedeutet. Im Laufe der Zeit wurde dieses Fest von der christlichen Kirche in Mariä Lichtmess umgedeutet. Nach christlichem Brauch gelten die geweihten Kerzen in jenen Jahren als besonders kraftvoll, in denen Mariä Lichtmess auf einen Sonntag fällt.

Langsam und leise beginnt sich alles auf die kommende arbeitsreiche Zeit vorzubereiten. Es ist die Zeit des inneren „Schwangergehens“ mit neuen Ideen, Wünschen und Plänen. Diese sind noch nicht bereit, nach aussen zu treten, sondern benötigen Ruhe, um zu reifen. Auch in der Natur kündigt sich der Frühling vorsichtig an. Erste Vorboten wie Schneeglöckchen und Krokusse erscheinen, und die ersten Lämmer werden geboren oder wachsen noch geschützt im Mutterleib. Alles, was jetzt zu früh nach aussen drängt, muss sich mit den letzten Frösten und den noch möglichen Frühjahrsstürmen auseinandersetzen. Es ist eine Zeit des Innehaltens und des geduldigen Wartens.

Die Lichtjungfrau Brigid

Mit dem zunehmenden Licht erscheint die Göttin in der Gestalt der Lichtjungfrau Brigid, „die vom Strahlenkranz Umgebene“. Sie löst symbolisch die dunkle Wintergöttin ab, die unter Namen wie Percht, Cerridwen oder Morrigane den Winter verkörperte.

Mit Brigids Licht erwachen auch die Kräfte der Natur. In alten Vorstellungen steigen Elementarwesen und Fruchtbarkeitsgeister aus der Erde empor. Besonders der Bär galt als wichtiges Symbol: Noch schläfrig und schwerfällig soll er an diesem Tag erstmals seine Nase aus der Höhle strecken, um zu prüfen, wie weit der Frühling bereits fortgeschritten ist. In manchen Überlieferungen gilt der Bär als Sinnbild des wiederkehrenden, noch verborgenen Sonnengottes.

Altes Lichtmess-Brauchtum

Das Entzünden des neuen Lichtes und die Lichtweihe sind bis heute in vielen Teilen Europas im Brauchtum verankert. In manchen Regionen, etwa in der Steiermark, wurde das geweihte Licht von Haus zu Haus getragen, um damit die Herdfeuer neu zu entzünden. Ebenso war es Brauch, brennende Kerzen durch Wohnräume und Ställe zu tragen, um den Segen des Lichts überall zu verbreiten.

Imbolc ist ein lichtvolles Fest, das an Neubeginn, Hoffnung und leise wachsende Kräfte erinnert. Es lädt dazu ein, achtsam mit sich selbst und mit der Natur umzugehen und das zurückkehrende Licht bewusst zu begrüssen – als Beitrag zur eigenen Erneuerung und zur Heilung von Mensch und Erde.